5. Dezember 2012

"Es ist das Nutzloseste auf der Welt"


Sternstunden im deutschen TV. Kurz nach Mitternacht. Reinhold Messner beim bundesrepublikanischen Traumschwiegersohn zu Gast. Ich überlege kurz wegzuschalten. Von minutiöser philologischer Arbeit gänzlich ermattet, beugen sich prompt alle inneren Widerstände dem Versprechen vermeintlich seichtester Unterhaltung. Jene, die mich lange kennen, wissen zudem von meiner Schwäche für Extremsportler (Huber-Brüder, Baumgartner, McNamara), schrullige Intellektuelle und traumwandlerische Musiker, Komponisten, Kunstschaffende im Allgemeinen.
Aller Anfangsskepsis zum Trotz schreitet das Gespräch fruchtbar fort, beginnt vor dem Hintergrund der luziden Schilderungen physischer und psychischer Grenzerfahrungen des 68-jährigen Bergsteigers, der mich schon als Kind, vermutlich wegen seiner Frisur, an eine ältere Version meines eigenen Vater erinnerte, um die großen existentiellen Fragen zu kreisen: Balanceakte über Abgründen und das Genie des Wegsuchens, Haben und Sein, Sinnhaftigkeit und Zweck, Abenteuer, Herausforderung und Überwindung, Intensität und Selbsterhaltung. 
Mein Zuschreibungsapparat funktioniert trotz der fortgeschrittenen Tageszeit noch ausgezeichnet, das beweisen jene wilden Assoziationsketten, die mein Hirn Messners Antworten kommentierend angedeihen lässt. Immer wieder rumort es im Hinterstübchen: Nietzsche, Nietzsche, Nietzsche (Und wer über sich hinaus schaffen will, der hat mir den reinsten Willen, Za II, KSA 4, S. 157)...und ein wenig Bataille natürlich. Bergsteigen als riskantes Aussetzen des Lebens "an den Rand der Möglichkeiten", um es mit gesteigerter Empfindung wiederzuerlangen. Das bewusste Sich-Begeben in das nicht länger Kalkulierbare verstehe nicht nur ich, so wird es im Laufe von Messners Ausführungen immer deutlicher, als Affront gegen bürgerlichen Mäßigungswahn und Optimierungslogiken sondern als (ästhetisches) Konzept der Verausgabung und Selbstüberschreitung, auch wenn er die gedankliche Essenz auf eine andere Sprache stützt als ich, andere Worte für dasjenige findet, das auch ich zu meinen glaube: "Ich will, dass sich junge Menschen ausdrücken...die Arbeit ist sekundär, sich ausdrücken ist viel wichtiger. Seinen Weg finden ist die Kunst...Und diese Fähigkeit, etwas ganz zu machen, bis zur letzten Konsequenz zu machen, habe ich auch beim Bergsteigen gelernt und nicht in der Schule.“
Als ich nach dem einstündigen Interview angeregt, inzwischen aber mit einer gewissen Bettschwere ausgestattet, ins Schlafzimmer wanke, bin ich innerlich von den mitgeteilten Erfahrungen noch derart bewegt, dass ich M., der mal wieder Nachtschicht schiebt, noch schnell eine SMS schreibe: "Gerade ein äußerst beeindruckendes Interview von Reinhold Messner gesehen und seitdem überlegt, ob Nietzsche sich seinen Übermenschen in etwa so vorgestellt haben könnte..." Eine morgendliche Lektüre des Zarathustra bestätigt meinen Eindruck: 
Zarathustra aber sahe das Volk an und wunderte sich. Dann sprach er also:
Der Mensch ist ein Seil, geknüpft zwischen Thier und Übermensch, — ein Seil über einem Abgrunde.
Ein gefährliches Hinüber, ein gefährliches Auf-dem-Wege, ein gefährliches Zurückblicken, ein gefährliches Schaudern und Stehenbleiben.
Was gross ist am Menschen, das ist, dass er eine Brücke und kein Zweck ist: was geliebt werden kann am Menschen, das ist, dass er ein Übergang und ein Untergang ist.
Ich liebe Die, welche nicht zu leben wissen, es sei denn als Untergehende, denn es sind die Hinübergehenden.

24. Oktober 2012

Der Blick von außen


Wie die Wahrnehmung der 27-jährigen Litauerin Alge, diese kleine Irriation bei der Konfrontation mit der als "deutsch" erlebten Daseinsform, ganz wunderbar mit meiner eigenen Empfindung zur Deckung kommt, gerade dann, wenn ich mir meine sportelnden Mitmenschen (ganz gleich ob schwimmend, bergwandernd, joggend, fahrradfahrend) lebendig vor Augen rufe. Und ob die auf dem Sektor der Freizeitgestaltung grassierende Spezialisierung, die gleichermaßen auch unser Verwaltungswesen mit seinen operativen Behörden erfasst, in struktureller Korrelation mit dem Abbau und der Verflachung anderer Gebiete, der Ausdünnung des umfangreichen Katalogs humanistischer Bildung etwa, stehen könnte, darüber sollte ich in einem weniger kulturpessimistischen Augenblick mal etwas systematischer nachdenken. Dann etwa, wenn die Gefahr, den Adornitisch-Horkheimerschen Platitüden argumentativ vorschnell auf den Leim zu gehen, vielleicht weniger groß wäre als heute. Vorerst aber bleibt mir nichts anderes übrig als unreflektiert zu meinem Punksein zu stehen.

9. Oktober 2012

Dillon

Während draußen die Stadt in die kühle Oktobernacht stürzt, vereint drinnen im Saal eine Stimme Singularitäten zu einer schweigenden, gebannt lauschenden Einheit. Verschmelzen Individuen zu einer rezeptiven Masse. Eine Stunde lang ist alles aufgelöst in Klang, Bass, Licht und im Nebel, bevor die Zuhörer auf dem Vorplatz der Volksbühne in die Berliner Dunkelheit auseinandersprengen — Tip tapping / I was tip tapping / tip tapping / in the dark.

8. Oktober 2012

Maieutik

Daß man, wenn es einem im Wahrheit gelingen soll, einen Menschen an einen bestimmten Ort zu führen, vor allen Dingen darauf achten muß, ihn dort zu finden, wo er ist, und allda zu beginnen hat.
Kierkegaard, 1859

...und vielleicht zeichnen sich darüberhinaus - und vor dem Hintergrund sich überstürzender Ereignisse der Frage und Entscheidung neu überantwortet, welchen Weg die nächsten Jahre beschreiten - immer stärkere Konturen einer Fiktion ab, wie ich mich ausgehend von dem Glauben an eine wirkliche Berufung jenseits geisteswissenschaftlicher Sklavendienste (Lektorat, PR, Redaktion und Presse, Projektarbeit in Medien und Kultur im weitesten Sinne) beruflich entwickeln könnte. Erst halb ausgegoren und doch ganz erhebend die Vorstellung, es könnte dort einen Platz geben, der mir vorbehalten ist und von dem aus mein Wunsch nach Vermittlung von nicht bloß faktischen Sinngehalten und (existentiell verstandener) Betroffenheit wirken kann.

7. Oktober 2012

Individuation

Der September stand im Zeichen der Veränderung wie überhaupt das ganze Jahr mir einen Kosmos vor die Füße geschmettert hat, in dem ich beginne mich langsam und staunend zu orientieren. Der ganze Monat überdies randvoll mit Gedanken und Gefühlen. Einige tiefgreifender und größer als ich je angenommen hätte, dachte ich in Momenten, in denen ich die Stille zurückhatte und das übliche Maß an Handlungssouveränität. 
Das Ineinandergreifen widerstrebener Momente, das Zusammenwachsen zu einer familiären Einheit, und dies nicht nur im rechtlichen Sinne, und gleichzeitig die Teilnahme an der Geschichte einer Individuation, die bisher ausschließlich auf sinnlicher Wahrnehmung fußt, sich durch Tritte und Schläge bemerkbar macht und doch mehr ist. Wie die Verinnerlichung eines Inneren, das sich, zwar ganz umfangen von mir, diesem gedanklichen Selbst doch beständig entzieht. Dieses in mir, das ganz individuell ist und bereits geschieden von all dem, was ich bin und doch momentan (noch) ich ist. All das, dieses Auseinanderdriften von dem, was ich und was Du genannt wird, vollzieht sich im Unsichtbaren und versetzt mich immer wieder in derartiges Staunen, dass ich kurz innehalte, das es mich trifft, rührt und mich beglückt zur gleichen Zeit. Und diese Tatsache: Dass Du als feste Instanz inzwischen existierst in den Gesprächen über die Zukunft, vielleicht auch, weil Du seit Monaten schon einen Namen trägst, und alle Gedanken dann doch ganz verschwommen und verworren um das kreisen, was und wie Du sein wirst. Die Spannung steigt mit jedem Tag; zwei Monate noch...

27. August 2012

Frühsport

Das Thermometer kratzt haarscharf an der 20°-Marke. Der Himmel ist von einem solchem spätsommerlichen, einem frühherbstlichen Azur, auf dem weiße Wolken dahinschwimmen. Heute bin ich die Zweite in der Schlange vor dem Freibad Humboldthain. Vor mir eine Schwimmerin, die ich hier öfter treffe, immer um die gleiche Uhrzeit. Die ich wegen ihres kraftvollen Delfinschwimmens und ihres technisch saubersten Kraulens still bewundere. Als Erste - den Bikini habe ich nämlich immer schon unter der Kleidung und spare mir dadurch den Gang in die Garderobe - ziehe im Becken meine Bahnen und wirbele das vom Wind zart gekräuselte Wasser durcheinander, denke dabei kurzzeitig an Merleau-Pontys Meditationen über Hockney und schon packt mich der Flow, löse ich mich ganz in der Bewegung auf, atme tief. Der ganze Körper eine Oszillation der Bewegung, ein Wechselspiel von Spannung und Entspannung. Die kinästhetische Monotonie nur zeitweilig unterbrochen von kuriosen Fragen, beispielsweise warum soviele der Bloggerinnen, deren Leben ich regelmäßig lesend verfolge, eindeutig dazu neigen, ihre Füße zu einem präferierten Motiv ihrer über soziale Netzwerke veröffentlichten Fotos zu machen (hier, hier, hier, hier und auch hier). Bei 1500m falle ich durch die Gleichmäßigkeit der Bewegung - ich schwimme immer ohne Pause, in gleichbleibender Frequenz und Lage - regelmäßig in einen derart meditativen Zustand, dass es mich nicht wundern würde, wenn die Weltenformel mir plötzlich zufiele. Gelingt es mir zu diesem Zeitpunkt hingegen über 500m Brust schwimmend mit einem schnellen Krauler mitzuhalten, der mir vor der Seitenwende verwundert Blicke herüberwirft, gerate ich in Hinblick auf den sportlichen Wettbewerb zwischen uns sogar nahezu in einen Zustand der Ekstase. 
Folgt man den Kritikern der Olympischen Spiele in ihren (jenseits von Argumenten, die die Kommerzialisierung des Sports betreffen) geltend gemachten Punkten, nimmt man die Paradigmen unserer Pädagogik (insbesondere der (Klein-)Kindpädagogik), zudem die Programmatik moderner Politik unter die Lupe, die aus Angst vor gesellschaftlicher Spaltung durch die Bekräftigung von Diversitäten lieber auf Ausgleich und Nivellierung setzt, reflektiert man darüberhinaus das in unser Gesellschaft verankerte Frauenbild, demnach Frauen zwar in pucto körperlicher Ästhetik eifrig konkurrieren dürfen, das gegenseitige Messen sich jedoch keinesfalls, das sage ich aus persönlicher Erfahrung, auf das Terrain von Wissen, Spiel, Laien- und Extremsport ausbreiten soll, ist der Wettbewerb zwischen Individuen, der auf kontinuierlicher Leistung(ssteigerung) beruht, per se des Teufels. Ich, für meinen Teil, habe unter Bedingungen des Wettbewerbs, im Messen der Kräfte, immer gute bis sehr gute Leistungen gezeigt, dabei einen starken und auch befriedigenden Antrieb entwickelt, der ohne die Hintergrundsituation des Kräftemessen nicht entstanden wäre, und konnte so das ganze Gezeter um die Anstachelung zu Feindseeligkeiten und die böse, menschenzerfleischende Konkurrenzsituation noch nie ganz nachvollziehen. Ja, und zugegeben, ich bin schon immer in eine innere Hochstimmung geraten, wenn ein Duell zu meinen Gunsten ausfiel. Ich gehöre demenstprechend auch zu den eher (sehr) schlechten Verlierern, denen Niederlagen und Unterlegensein verhasst sind. 
Als ich nach 2500m und 60 Minuten aus dem Becken steige, fühle ich mich als körperlich-geistige Einheit jedenfalls mehr als erfrischt.

26. August 2012

Wie das wohl werden wird,

überlege ich. Im nächsten Jahr und in den vielen darauf folgenden Jahren. Wie die Fragen und die Gedanken  beständig um Dich kreisen und mit dem Bäuchlein allmählich heranwachsen. Vor allem: Wie Du wohl sein wirst, wenn Du erst auf der Welt bist? Von impulsiver Wesensart, doch gleichzeitig der Melancholie so nah wie ich, oder eher tiefenentspannt und unkompliziert wie Dein Papa? Unsere innere Ausgeglichenheit steht im Bündnis mit ganz viel Neugier und dem anhaltenden Erstaunen, dass wir in absehbarer Zeit Eltern sein werden. Eine Familie. Unfassbar. Langsam bekommt auch der Bauch eine unübersehbare Gestalt, auch wenn er sich noch in außergewöhnlicher Zurückhaltung (selbst die Ärztin war im Angesicht der fortgeschrittenen Zeit verwundert) nach außen wölbt. Innerlich schließe ich indes täglich Wetten mit mir ab, ob ich die Kurve der Vermeidung scheußlicher Maxi-(Brust/Bauch/Po)-Umstandsmode, die mich nach Betreten eines einschlägigen Geschäfts neulich derart schockiert hat, dass sie, die unerträgliche Geschmacklosigkeit, mich panikartig in die Flucht schlug, doch noch kriegen werde. Noch jedenfalls bin ich optimistisch.

14. August 2012

Ein Traum von Sommer

Dieses wunderbare Wetter. Ein weiter, klarer, tiefblauer Himmel, der sich nachts wie ein sanftes Tuch über die Stadt legt. Ich schlafe wie ein Baby dieser Tage. Träume abwechselnd, ich wäre Leistungssportlerin im Olympia-Kader (am brennensten Dreispringerin oder Siebenkämpferin) oder Surferin auf Hawaii, würde in Vorderasien graben oder Renaissance-Kirchen restaurieren. Morgens fahre ich auf meinem goldenen Hercules von derlei nächtlichen Phantastereien erfrischt und trotz des Nachferienansturms radelnder Eltern-Kind-Gemeinschaften durch Mitte an die Alma Mater Berolinensis, meinen Arbeitgeber, und werde ob des mittelmäßigen Verkehrschaos beim Überqueren der Torstraße kein wenig unruhig. Dabei liegt mir das verbale Entgleisen im Straßenverkehr leider allzu nah, habe ich viel zu oft und zu schnell die Fassung verloren, mich in rüden Beschimpfungen ergossen und an dem ein oder anderen Taxifahrer versündigt. Überhaupt lebt es sich gerade nahezu schwerelos. Eine eigentümlich paradoxe Leib-Seele-Dialektik.

6. August 2012

Die Magie des Moments

London, 5. August 2012, 21:50 Uhr GMT. Das ewige Nationenduell auf Bahn 3-8: Jamaika gegen die USA. Powell, Gay, Blake, Gatlin, Bolt, Bailey; die Sprintkönige nebeneinander aufgereiht. Die letzten virilen Gesten ausgetauscht, Tonnen des Testosterons versprüht, Adrenalin im Blutkreislauf von Läufer und Zuschauer. "On your marks!", letzte Korrekturen am Block, Waden lockern, komplizenhafter Blick zum Himmel, Bekreuzigung. "Get set-", 80.000 schweigen gebannt, Totenstille, "-go!". Powell und Gay kommen ausgezeichnet aus dem Block, Bolt rennt zunächst etwas hinterher, Gatlin und Blake schließen an die Spitze auf, Bolt dahinter. Auf der 60er-Linie wirft Bolt wie gewohnt den Turbo an, kassiert nacheinander alle Rivalen und geht deutlich vor ihnen ins Ziel. 9,63 am Ende: Olympischer Rekord und Bolt "back in business". Es sind nicht einmal zehn Sekunden und trotzdem brauche ich heute Nacht ein tausendfaches dieser Zeit bis die inneren Erregungszustände nachgelassen haben und ich endlich einschlafen kann.

5. August 2012

Alles nach Plan

Die Nachricht ist inzwischen in alle Lebensbereiche, Freundes- und Familienkreise gesickert und schon lange halten sich die Anflüge von Panik (bis auf den anstehenden Geburtsakt) in Grenzen. Der weihnachtliche Geburtstermin ist inzwischen ebenso verdaut wie die Angst vorm Fett- und vor allem Unsportlichwerden. Keine der angedrohten Szenarien bewahrheitet sich: Keine Wassereinlagerungen, keine Fettpolster, stattdessen immer wieder von außen an mich herangetragene Verwunderung: "Was bitte? Ende fünfter Monat soll das sein? Willst Du mich verarschen, so sieht mein Bauch nicht mal unschwanger aus". Selbst die Aufschläge und Hetzjagden beim Speedminton noch keine größere Hürde, wenig Kurzatmigkeit, Joggen funktioniert ausgezeichnet, Schwimmen sowieso. Manchen Rennradfahrer muss ich trotz innerer Widerstände zwar ziehen lassen, aber die schwerfälligen Prenzl'-Bergerinnen stecke ich locker noch in die Tasche. Dass mir nie schlecht war und jegliche Nahrung weiterhin schmeckt, ein Geschenk des gnädigen Gottes in der besten aller möglichen Umstandswelten. Überhaupt, durch die regelmäßigen Spaziergänge durch den Kiez im Angesicht der vielen Väter mit kreisrundem Haarausfall und ältlicher Mütter (by the way: Ob unsere Mamas wohl für die Mutter unseres Kindes gehalten werden, sobald sie den Wagen alleine durch die Straßen schieben, wenn es dann soweit ist? Diese Frage amüsiert M. und mich nachhaltig und seit Wochen), die die besten Zeiten bereits hinter sich haben, bestätigt, steht eines immer deutlicher vor Augen: 29 scheint ein gutes Alter, nicht nur in Bezug auf Rückbildung, berufliche Flexibilität und zu erwartendem, gemeinsamen Zeithorizont mit dem Kinde, sondern vor allem, weil wir kraft unseres Alters (zu Zeiten meiner Eltern wären wir schräg beäugte Spätgebärende gewesen) vielleicht die Klippen der nervigsten Debatten, die sich um allerhand Materielles drehen (Eigentumswohnung hier im Kiez, Erbschaft, Familienkutsche, Ehevertrag, Lebensversicherung und der ganze Kram, der uns nicht allzu viel bedeutet), galant umschiffen könnten, da man uns als Gesprächspartner schlichtweg nicht auf eigener Augenhöhe wahrnimmt, hoffentlich!
Der Facharzt für Pränataldiagnostik dann sichtlich amüsiert über unser Auftreten. Drei Spätgebärende wären vor uns im Sprechzimmer gewesen, weit über vierzig, etwas verkrampft, auf jeden Fall mit hypochondrischen Tendenzen. Niemand Anfang dreißig, geschweige denn in den Zwanzigern, manchmal eine ganze Woche lang! Einfach deprimierend sei dies, diese immergleichen Pärchen mit den immergleichen Fragen. Das Panorama des Wartezimmers bestätigt die Aussage: Zwischen fleißigen Verwaltungsbeamten und Unternehmesberatern, Juristen und Wirtschaftsprüfern in schlecht sitzenden, aber mit Verlaub teuren Anzügen, schwitzend und mit Bauchansatz neben ihren früh ergrauten etwas aus der Form gegangenen Partnerinnen in Stefanel, Strenesse und Feinstrumpf M. und ich. Er in knielangen Cargos und Punk-Shirt, ich im gepunkteten Sommermini mit Keilwedges. Beide sommerlich ungekämmt, mit Mückenstichen an den Beinen und zwischen schlechter, aber großformatiger Kunst herrlich deplaziert. So wird einem zumindest nicht langweilig in dem ganzen Schwangerschaftskosmos mit seinen eisernen Regeln, seiner Deutungshermetik, seinen Vorschriften, Vorsichtsmaßnahmen und dem ganzen Schabernack, so bleibt immer noch ein wenig Lästerwertes übrig, denke ich mir und kaufe mir im Späti eine Club Mate, dieses Koffein-Teufelszeug, das weisen Müttern zufolge (wie Haarefärben, Kaffee und zuviel Sport und Stress natürlich)  Fehl- wenigstens aber Frühgeburten auslösen soll. Das Kind schlägt in meinen Bauch ausgelassene Purzelbäume und freut sich.

7. Juni 2012

Wie schön es ist,


einer Band schon seit Jahren die Treue zu halten. Eine fast kindliche Freude als ihre Reunion kurz bevorstand: I want my band back, and my songs, and my dream. In this desire I feel I have come home again. Und das, nachdem ich am 16.9.2000 in der Berliner Arena ihr letztes Konzert sah, ganz verweint; damals bin ich noch nicht einmal volljährig gewesen. Ihre Musik, ihre unglaublichen Texte, überhaupt diese sanfte Melancholie, mit Corgan'schem Näseln manchmal einfach so dahingerotzt, sprechen mir jetzt noch genauso aus der Seele wie damals.

3. Juni 2012

Große Veränderungen

Die letzten Wochen haben mich schlagartig aller Worte beraubt, um die ich sonst beständig ringe. Sprachlos bin ich seitdem gewesen. Und doch innerlich derart bewegt, aufgeregt, angsterfüllt und neugierig. Alle Regungen zappeln zur gleichen Zeit in mir, während M. mir schon seit Wochen komplizenhaft zuzwinkert. Keinerlei Befürchtung liegt in seinem Grinsen, bloß strahlende Zuversicht, die aus seinen Augen blinzelt. Noch in diesem Jahr also, noch bevor die furchterregende 30 Mitte 2013 mein Alter zieren wird. Nicht übel, denke ich, wenigstens etwas. Mein kleines, bescheidenes Sedativum.

9. April 2012

Was bleibt

ist ein Hauch von innerlicher Erschütterung. Wenn ich an die Worte meiner letzten Mail an Dich denke, die ich nie wieder fand, auch als das erste, das schlimmste, Jahr vorüber und der Boden wieder spürbar  unter meinen Füßen war. Du seist nicht der Mittelpunkt meiner Welt und dass ich nicht immer um Dich kreisen kann oder so ähnlich hatte ich geschrieben. Eine Ahnung Deines Allein(gelassen)seins als Du den entscheidenden Schritt wagtest, der Dich auslöschte. Und meine Worte der Hauch der Dich, verlassen und balancierend auf dem Tightrope, vielleicht ins Wanken brachte, schließlich umwarf und stürzen ließ. Zwei Wochen zuvor, es war bereits zu kalt, um draußen zu sitzen, hatte ich Dich an einer Kreuzberger Bar an einen alten Songtext eines Liedes einer Band erinnert, die damals wie keine andere im Stande war, unserem jugendlichen Weltschmerz Ausdruck zu verleihen: My words are weapons, in which I murder you with/Please don't be scared, please do not turn your head. Damals, bei Erscheinen von Infest, bist Du 17 und ich 16 gewesen.
April 2012: Ich jetzt hier und Du irgendwo in der Ferne, während die Sonnen glühend über den einsamen Feldern untergeht. Es ist der inständige Wunsch, ich hätte, wenn ich doch die Zeit nicht mehr zurückdrehen kann, diese Worte nie zu Dir gesagt oder hätte sie revidieren können, das einzige, was mir bleibt.

5. April 2012

Grass oder: Wen kümmert's, wer spricht?

Wenngleich die Vorherrschaft des Autors immer noch ungebrochen ist
- auch die neue Kritik hat sie oft genug bestätigt -, 
so wird sie doch seit längerem von einzelnen Schriftstellern attackiert.
Roland Barthes zur Situation der Literaturkritik anno 1968


Was Barthes unter dem Titel La mort de l'auteur literaturtheoretisch und scharfzüngig auseinanderlegt, richtet sich in demonstrativer Weise gegen eine methodisch verkürzte explication du texte, deren erklärtes Ziel die Erzeugung einer identifikatorischen Korrespondenz zwischen Autobiographie und Werkbedeutung ist. Die vom aufkommenden Strukturalismus geforderte Überwindung des Autors - eine moderne Figur, die unsere Gesellschaft hervorbrachte, als sie am Ende des Mittelalters im englischen Empirismus, im französischen Rationalismus und im persönlichen Glauben der Reformation den Wert des Individuums entdeckte - oder wie man würdevoll sagt, der "menschlichen Person" - und seine (daraus resultierende) Abwesenheit macht es daher ganz überflüssig einen Text "entziffern" [dechiffrer] zu wollen
Erstes Gebot im Umgang mit Schöpfungen ästhetischer Provenienz: Der Autor wird unter keinen Umständen mit dem Werk identifiziert! Nie! Ferner, da es sich bei einem Gedicht unzweifelbar um ein künstlerisches Gebilde handelt, so politisch die vernommene Äußerung auch immer sein mag, wird unter gar keinen Umständen das lyrische/epische (Erzähler-) Ich mit seinem Urheber gleichgesetzt. Alles andere à la "Was wollte der Autor uns hiermit nur sagen?" spielt sich, entschuldigen Sie vielmals meine Indiskretion, auf dem Niveau ‚8. Klasse Hauptschule‘ ab, ist daher gänzlich indiskutabel. Es wäre sonst schlimm um die Kunst bestellt, da würden Sie mir sicherlich eifrig beipflichten, wenn sie jeden ihr entwichenen Flatus ausgiebig rechtfertigen müsste.
Grass gehörte, dies liegt zu meinen Gunsten vor, niemals zu meinen Lieblingsautoren, soviel ist auch zu meiner Verteidigung zu sagen. Überhaupt sind mir die Nachkriegsösterreicher  und -schweizer immer lieber gewesen. Grass' Erzählgestus finde ich schlichtweg grässlich, es mangelt an gebührender Eleganz oder wenigstens an explosivem Potenzial. Wirklichen Humor sucht man fast überall vergebens, findet eine Prise davon vielleicht höchstens als verstreute Sentenzen in der Blechtrommel: Ich erblickte das Licht dieser Welt in Gestalt zweier Sechzig-Watt-Glühbirnen. Noch heute kommt mir deshalb der Bibeltext „Es werde Licht und es ward Licht“ wie der gelungenste Werbeslogan der Firma Osram vor. Bis auf den obligaten Dammriß verlief meine Geburt glatt. Mühelos befreite ich mich aus der von Müttern, Embryonen und Hebammen gleichviel geschätzten Kopflage. Formidabelst! Und dann diese unerträglichen Längen, wahrlich eine abscheuliche Tortur! Demgegenüber war mir sogar die mit fortschreitendem Alter stetig sich steigernde, ubiquitär sabbernde Geilheit eines Walsers bekömmlicher als jene narrative Zumutungen. 
Sie erblicken erlesen mich verwirrt. Worüber nur spricht die apostrophiert mediale Öffentlichkeit da momentan nur? Woher nur bezieht sie ihre voreiligen Schlüsse? Und warum zum Teufel melden sich Menschen in dieser Debatte zu Wort, verzeihen Sie die Ausdrucksweise, die außerstande sind, den Terminus Autonomieästhetik überhaupt zu buchstabieren.
Jawohl, machen wir eine Kunst, die das Provozieren lässt, eine Kunst, bitteschön, die politisch korrekt ist bis in ihre Metaphern, eine Kunst, die zäh an ihrem Autor haftet wie unerwünschter Kaugummi unter der Schuhsohle. Ziehen wir vor allen Dingen jene Künstler aus dem Verkehr, die sich anschicken, in Gebiete vorzudringen, die der globalpolitisch-militärischen Strategieplanung vorbehalten sind.
Ich jedenfalls könnte auf einen Konflikt im nahen Osten gut und gerne verzichten, auch deswegen schätze ich die Benennung unausgesprochener Wahrheiten. Benannt durch etwas, das man vor dem Hintergrund, dass es sich bei dem Ort, von wo aus gesprochen wird, um Lyrik handelt, landläufig auch das lyrische Ich nennt. Der seichteste Biographismus, auf dem der einseitige Fokus der Medienberichterstattung derzeit liegt, verschleiert, fast möchte ich sagen mit einem berechnenden Kalkül, indem er verhindert, zudem auch die Zeilen zu vernehmen, auf die sich mein Auge richtet: 

Jetzt aber, weil aus meinem Land,
das von ureigenen Verbrechen,
die ohne Vergleich sind,
Mal um Mal eingeholt und zur Rede gestellt wird,
wiederum und rein geschäftsmäßig, wenn auch
mit
flinker Lippe als Wiedergutmachung deklariert,
ein weiteres U-Boot nach Israel
geliefert werden soll, dessen Spezialität
darin besteht, allesvernichtende Sprengköpfe

dorthin lenken zu können, wo die Existenz
einer einzigen Atombombe unbewiesen ist,
doch als Befürchtung von Beweiskraft sein will,
sage ich, was gesagt werden muß. 


Nein, Günter, gewiss hast Du Deine Tinte nicht ganz umsonst verschwendet, aber bitte, so flehe ich inständig, höre doch nun endlich auf damit, Dich literarisch öffentlichkeitswirksam weiter zu enthäuten! Der Autor soll doch wenigstens nicht ganz umsonst gestorben sein.

3. April 2012

Unerreichbar

Dass ich ausgerechnet durch SPON in die Hände von Tina Solimann falle und wie ich dieses Buch, das verborgene Psychogramme freilegt, erst jetzt entdecken konnte. Ich, hinter einer Mauer aus Schweigen, die Meisterin des Verschwindens und des Abbruchs, das sich wie eine Konstante durch mein Leben zieht:
"Der Begriff Funkstille kommt aus der Schifffahrt. Er beschreibt die Einstellung des Funkverkehrs, damit Notsignale durchdringen können. Und nichts anderes bedeutet es auch in den Beziehungen von Menschen: Jemand schweigt, damit der andere hört, was er nicht sagt. Wie etwa: Lass mir Ruhe, Zeit zum Nachdenken. In unserer Beziehung stimmt etwas nicht. Vielleicht brauche ich auch für immer Ruhe, das weiß ich aber jetzt noch nicht. Ich muss erstmal zu mir kommen und gib mir bitte die Zeit."
'Treffend!', denkt sie sich und löste sich in Luft auf.

30. März 2012

Über Disziplin

Wenn ich all die fliehenden, freien und radikalen Kräfte, oft wegen dieser bestaunt worden, - wie zähflüssige Lava im feurigen Kessel, glühend und bis unter den Rand des Kegels gefüllt - endlich in eine Richtung lenken lernen würde; im Dreischritt: kanalisieren, bündeln, konzentrieren, dann wäre mein Leben derart um Sinn bereichert, wäre längst eine Diss geschrieben, drei Seminare geschmissen, ein Marathon absolviert, wäre endlich die Angst abgestellt, dass unkontrollierte Intensitäten, die mich vereinnahmen, mich auf ewig wegschwemmen und zurücktreiben ließen. Stattdessen könnte ich ihnen ernsthaft etwas entgegenstellen. Unter der Feinkörnigkeit des Schlicks würde ein solider Grund freigelegt, der meinen Ankern standhält. Lethargie, fehlende Inspiration oder mangelnde Struktur waren nie ein Problem gewesen, meine Endlosbaustelle: Diszplinlosigkeit bei stets aufgedrehtem Regler. Meine persönliche A 100: vielbefahren, insgesamt marode. Kaum sind die gröbsten Reparaturen an einer unbefahrbar gewordenen Spur halbherzig ausgebessert, reißt das nächste Schlagloch an anderer Stelle auf. Alles ein einziges Flickwerk, unter dem Druck von Schnelligkeit und Dringlichkeit notdürftig verarztet, in Ermangelung eines Gesamtkonzepts ewig unsaniert das Ganze.

26. März 2012

Eine Sprache finden

für all das, was die Grenze des Fassbaren überschritten hat, für dasjenige, was sich nicht sagen lässt. Eine Sprache, die die Worte von all der verlorenen Zeit sprechen lässt, die hinter uns liegt, die auf ewig vorüber ist. Eine Sprache meine ich, die das Innere transzendiert, sodass es vielleicht auch für Dich hörbar ist an Deinen verborgenen Orten, um dann etwas auszudrücken, das ich Dir schon lange nicht mehr von Gesicht zu Gesicht gesagt habe - seit dem Moment, an dem Dich Wille und Mut verlassen hat. Eine Sprache, von der ich spreche, die ich nicht greifen kann, ist es, um die ich ringe, die ich begehre. Sie, so meine Hoffnung, weil sie all dem Vergänglichen um uns herum etwas entgegenzusetzen hätte, das bleibend wäre, auch wenn wir am Ende des Tages wieder etwas mehr gestorben sind. Mehr habe ich nicht als die paar Worte, die ich zusammenklaube und die doch immer vorbeigehen müssen an der Art wie Du gelacht hast, wir wir tanzten in Berliner Sommernächten oder auf Decken lagen, unten wir und oben die Sterne. Damit erinnern wie wir die Lieder sangen, die vom Leben lieben handeln, Tequila tranken, machten Jägermeister platt, in den Mond schrien: "Verdammt, wir sind die geilste Gang der Stadt!". Einen kurzen Moment bin ich von den Songs dieser Platte derart getroffen (Ich weiß noch wie du sagtest:"Nie werd ich 27"), haben mich die Worte eines Anderen sprachlos gemacht (Mitten im offenarmigen Tanz auf brennenden Brücken/Wir waren: Auf ins Leben /doch ein Haufen Elend/Vielleicht liegt der Sieg darin einfach aufzugeben/Lass Tanzen und fliehn/Synchronisieren, funken Momente zum Takt der Musik/Stampfen im Beat, klatschen zum Lied/drängen und zieh'n/Klammern uns an süße Melancholie). Derart desorientiert, dass ich ruckartig vom Schreibtisch aufstehen muss und mich drei Minuten später, von der Sonne blind, vor meiner Haustür wiederfinde. Schwindelig: Bin immer noch da, wenigstens alles taub gemacht. 
  

16. März 2012

season's opening

Des Frühlings blaues Band flattert draußen fröhlich durch die Lüfte und zieht selbst den hartnäckigsten Stubenhocker aus dem Prenzl' Berger Haushalt in die übervollen Straßencafés, in denen die Kreativarbeiter, das Macbook lässig auf dem Schoß plaziert, ihr saisonales Sonnenplatz- und Milchkaffeeabonnement angetreten haben und beschaulich über dies uns das plaudern, während dem Bourgeois nach regulärer Arbeitszeit im Büro wie immer nur ein Platz im Schatten oder auf der Wiese bleibt. Er seufzt tief und arbeitsmüde angesichts dieser Ungerechtigkeit, mit der man ihn, diesen Leistungsträger der Gesellschaft, straft: die Verdrängung durch den Bohémien, ist aber zu müde für Konfrontationen und kehrt, gegengentrifiziert und traurig über die mangelnde Anerkennung, wie schon letztes Jahr und die Jahre davor auf der heimischen Terrasse hoch über dem Zionskirch-, Helmholtz- oder Kollwitzplatz zum Espresso ein. 'Merkwürdig', grübele ich und wundere mich nicht zum ersten Mal über die plötzliche Masse an spazierenden Menschen auf den Straßen. Im Sonntag im August vernehme ich keine Berliner Stimme auf den Außenplätzen, die Touristen sind hierher zurückgekehrt, durchstreifen den Mauerpark, sitzen dicht an dicht auf ihren Vintage-Lederjacken am Weinbergshang und linsen hinter überdimensionalen Brillengläsern zwischen ihren geklonten Berliner Geschwistern in die lang ersehnte Sonne. Zum Glück ist die Jack-Wolfskin- und The-North-Face-Synthetik endlich eingemottet, jubele ich innerlich und mit tiefer Befriedigung. Mein Auge hat nun Zeit sich bis zum nächsten Winter zu erholen, gönnt sich eine Pause bevor es in vermutlich sehr naher Zukunft, von Frühlingsluft und Spreeflimmern dann ganz und gar eingelullt und milde gestimmt, schon bald wieder unförmige Pumphosen im Pyjamastil aus alten Lappen zusammengenäht, taillierte Hotpants und die schrecklichen Oversize-Hemden zu sehen bekommt. Schauerlich! Kaum ist die Ortsgrenze zu Pankow überschritten, wandelt sich der Stil von Bohème zu Bodenständigkeit. Nur die Radfahrer sind es, seit wenigen warmen Tagen in Massen ausschwärmend, die das Bild beider Bezirke - vermutlich aller Innenstadtbezirke - eint. Rennräder und Fixies soweit das Auge reicht. Darauf anämische, manchmal etwas feiste, in jedem Fall blasse, im Restalltag oft wenig sportive Hipster oder ihre modischen Mitläufer mit dünnen Beinchen in Slim Cuts auf den zierlichsten Pedalchen. Die Saison ist eröffnet!

12. März 2012

10. März 2012

Alpenverein

Alle jene, die mich im Wasser näher kennen, wissen, dass ich sagenhaft schnell laienschwimme, also ohne professionelle Ambitionen und ohne je in einem Verein trainiert zu haben. Jedoch gilt meine ungeteilte Passion Bergen. Sehr ungünstig mit solchen Vorlieben in dieser Stadt zu wohnen mit ihrer ganzen hässlichen Schutttopographie. Der masochistische Zug ist es, an dem ich Gefallen finde, die Qual des mühsamen Aufstiegs, je steiler, länger und windiger desto besser, jene brachiale Körperlichkeit des Pulsierens und Schwitzens, das versunkene Schweigen bei der Belastung. Bei aller Scheu vor deutscher Vereinsmeierei, Schatzmeisterdünkel, Satzungsbürokratie und basisdemokratischen Stuhlkreisen und Hauptversammlungen, eine Mitgliedschaft im DAV wäre Pflicht, würde ich nur in der Nähe von Bergen wohnen. Wenn nur nicht diese komische Mundart, die ich nicht verstehe, mich so plagen würde, hätte ich bestimmt schon eine kleine Residenz in München oder Garmisch-Patenkirchen, ganz bestimmt.

9. März 2012

Die Weisheit des Silens

Aus altem Kaugummipapier forme ich mir vor dem Schreiben, wenn schon keine Götzen aus alten Klorollen, die ich um himmlische Hilfe bei den Kraftakten des Textringens anbeten kann, denen ich im Übrigen heimlich alle Schuld an meinem irdischen Schicksal zur Last lege, satyrhafte Eselsohren. Immer gedeiht alles Gedankliche in meinen Händen zur montrösen Schwergeburt. 

Es geht die alte Sage, dass König Midas lange Zeit nach dem weisen Silen , dem Begleiter des Dionysus, im Walde gejagt habe, ohne ihn zu fangen. Als er ihm endlich in die Hände gefallen ist, fragt der König, was für den Menschen das Allerbeste und Allervorzüglichste sei. Starr und unbeweglich schweigt der Dämon; bis er, durch den König gezwungen, endlich unter gellem Lachen in diese Worte ausbricht: „Elendes Eintagsgeschlecht, des Zufalls Kinder und der Mühsal, was zwingst du mich dir zu sagen, was nicht zu hören für dich das Erspriesslichste ist? Das Allerbeste ist für dich gänzlich unerreichbar: nicht geboren zu sein, nicht zu sein, nichts zu sein. Das Zweitbeste aber ist für dich — bald zu sterben“.(Nietzsche, GT 3)

8. März 2012

Über Hypochondrie oder die Abgründe der Selbstbeobachtung

In der Nacht von Montag zu Dienstag dieser Traum. Am Alexanderplatz (oder sonstwo) auf dem Weg von Bahnsteig zu Bahnsteig verliere ich auf der Treppe unerwartet das Gleichgewicht, überschlage mich in der Luft und falle der Länge nach mit dem Gesicht auf die untersten Stufen. Paralysiert spucke ich blutig die letzten zerschmetterten Zähne oder das, was von ihnen übrig blieb. Infolge des Sturzes initiationsartig doch ohne innere Kausalität durchzieht den apathischen Dämmerschlaf eine Variation des gleichen Themas: Ich entgleite mir, verliere die Erinnerung, werde in Gedanken ausgelöscht oder lösche mich selbst. Dann innere Erregung, fast Panik als ich imaginierte Gesichter plötzlich nicht mehr erkenne, alles jemals Gewusste mir seltsam entgleitet und dennoch jemand anwesend ist, der dies zu Protokoll gibt. Seltsamer Streich, denke ich beim Aufwachen und den ganzen Tag über begleitet mich die Angst um das Vergessen. Fünf Wikipedia-Artikel, zwei Paper in Science und ein MMSE, Uhrentest und DemTec mit höchsten anzunehmenden Ergebnissen später finde ich ohne Enge in der Brust ins Alltagsleben zurück. Der Gedanke kriecht nur dann ins umnebelte Bewusstsein zurück, wenn mir besonders entlegene Namen, Daten oder Begriffe drittklassiger oder nebensächlicher Personen, Ereignisse und aus theoretischen Auseiandersetzungen nicht blitzschnell zu Händen sind. Dann kurz aufscheinend die Angst vor dem Selbstverlust, Verlust auch des Kompasses, der stets eisern genordet war: ein untrügliches, bis an den Rand gefülltes, blitzschnelles Gedächtnis
Neben M. an der Spree stehen, während das brackige Wasser, inzwischen gänzlich enteist, diese ersten warmen Strahlen auf die blasse Haut zurückwirft, lässt hingegen beide Teile innerer Aufruhr, den protokollierend-prüfenden und den sich hartnäckig entwindenden Teil, kurzzeitig stumpf und unsichtbar werden.

26. Februar 2012

Über uns die Himmel

6:15 Uhr: Wir plauschen noch ein bißchen an der Ecke, an der wir schon zu Schulzeiten so standen, dann ein Kuss und unter einem wolkendurchsetztem Himmel laufe ich durch die wunderbar frische Vorfrühlingsluft nach Hause, während eine sanfte Morgendämmerung aufzieht. Dass wir beste Freunde sind und das schon fast so lange ich denken kann und mein Herzschlag präzise dem Takt der Musik folgt in diesem Augenblick, ein Gefühl überströmender Lebendigkeit. Eigentlich habe ich mindestens drei Gläser Rotwein und zwei Bier zuviel im Blut. Eigenartig beschwipst und von den Morgenvögeln begleitet, hüpfe ich auf den letzten Metern fast schwerelos voran bis ich die Haustür erreiche.

23. Februar 2012

Über Helme und Haare

Ich könnte nicht mal annähernd sagen, wie oft ich in meinem Leben den immergleichen Spruch in Bezug auf meine flachshaarige Mähne gehört habe. Immer und immer wieder wurde da (meist etwas schadenfreudig, was ich bei Glatzen viel eher verstanden hätte) konstatiert, dass die Miss stets einen keratinen Helm mit sich führe. Manchmal bin ich, aus mir unerfindlichen Gründen, sogar gefragt worden, ob ich gar Perücke trüge. Schienen mir die Fragenden ihrem Wesen nach grundsätzlich angenehm, durften sie sich durch einen packenden Griff an meinem Schopfe von der Tatsache überzeugen, dass das störrische Gewusel aus den körpereigenen Papillen gesprossen kam. Die immer gleiche Leier also. Unaufgefordert konnte ich sie da aus allen Windrichtungen heransäuselnd vernehmen, die Tipps und Tricks, nach denen ich an keiner Stelle verlangt hatte: Von A wie Ausdünnung über G wie den richtigen Gebrauch von Glätteisen bis hin zu Z wie angemessene Zopfbändigungen. Und immer blieb ich, um ehrlich zu sein, etwas ratlos zurück, weil mir selbst stets die Damen besonders leid getan hatten, deren flaumartiger Haarwuchs, die Kopfhaut durchschimmern ließ, oder deren Haar wie strähnige Spaghetti am Kopf festzukleben schien. Ich war mir also keines äußeren Makels bewusst, daher immer sehr erstaunt und auch etwas belustigt im Angesicht des entgegenschlagenden Haarhohns. Doch seit Amy Winehouse das endlose Auftoupieren zur olympischen Disziplin auserkor (und Unzählige ihr nacheilten), Extensions zum Standardprogramm eines jeden Friseurs gehören und selbst die Models in den Katalogen sich zu bardotartigen Helmen bekannten, für die ihr feines Haar zuvor bestimmt stundenlange Torturen litt, während ich nur aus dem Bett steige und auf das Kämmen verzichte, atme ich auf und fühle mich, wenn selbst Kulturzeit im Abspann ein solch prächtiges Musikvideo der bezaubernden The Kills und der noch bezaubernderen Alison Mosshart zeigt, auf das Beste bestätigt. Derangement (bei aller Äquivokation!) is very attractive. Indeed it is. 
Schon erstaunlich (bei aller Hyperprojektion), die subtile Ähnlichkeit der Fotos mit uns, dem Gefährten und mir.





18. Februar 2012

Auf! Währt's?


Ein großes Aufraffen und Zusammennehmen. Welch ein Selbstantrieb! Um halb neun frisch und munter aus dem Bett und ohne Umwege an den Schreibtisch. Seitdem dort, bis auf ein Stündchen, in dem ich frische Luft draußen schnappen ging - ja, die deutsche Nation und ihr Verhältnis zur Natur, überhaupt ihr apriorischer Drang, das Fenster zu öffnen, sich die Beine zu vertreten und draußen (egal bei welchem Wetter übrigens) spazieren zu gehen, wenn die Gedanken sich drinnen verheddert haben, darüber hörte ich neulich die hinreißende Gayle Tufts berichten. Nun fester Hoffnung, nicht gleich wieder ins nächste Trägheitsloch zu stürzen, das sich da auftut.

16. Februar 2012

Bataille

Ich gehe von einer elementaren Tatsache aus: der lebende Organismus erhält, dank dem Kräftespiel auf der Erdoberfläche, grundsätzlich mehr Energie als zur Erhaltung des Lebens notwendig ist. Die überschüssige Energie (der Reichtum) kann zum Wachstum eines Systems (zum Beispiel eines Organismus) verwendet werden. Wenn aber das System nicht mehr wachsen und der Überschuß nicht gänzlich vom Wachstum absorbiert werden kann, muß er notwendig ohne Gewinn verloren gehen und verschwendet werden, willentlich oder nicht, in glorioser oder katastrophischer Form.

Wie konnte ich nur so lange Zeit derart unachtsam an Dir vorbeischauen, während mein (philosophisches) Nachdenken doch beständig um Überschreitung, Verausgabung, Rausch und Exzess zu kreisen gewohnt war? Wie Dich ignorieren, bei meinem Hang zum Nicht-Identischen, höchstens noch als verstiegenen Spinner Dich abtun?
Und das, obwohl Dein Name in ein Verb verwandelt batailler, zu deutsch also kämpfen, heißt und Du den Mut hattest, in die Nachkommenschaft von Nietzsche und Artaud Dich einzureihen ohne von ihrem übermächtigen Schatten verschluckt zu werden. Ich habe nun viel vor mit Dir und greife begierig nach jeder Zeile, die das Blut, mit dem sie geschrieben, sichtbar macht, denn hierin bin ich gewiss kein Müßiggänger. (Zarathustra: Vom Lesen und Schreiben)

13. Februar 2012

Verschleudern von Vermögenswerten (Art. 165, Schweiz. StGB)

Dieses raumgreifende Misswirtschaften als Dauersymptom! Geld, Zeit, Konzentration. Alles rauscht einfach so ziel- und steuerlos dahin. Die Nächte werden gerade überlang. Morgens dann liege ich ab halb sieben hellwach, gleichzeitig bleischwer, untätig manchmal bis elf unter der Bettdecke und starre Schlaglöcher in die eintönige Decke. Dabei konnte ich noch nie so unbeschwert (und das war wirklich harte Arbeit) dem nachgehen, was ich nun, da es machbar wäre, täglich schmähe. Grausames Paradoxon. Und weil ich mich selbst darin beständig allzu wichtig nehme, zieht sich alles Angefangene bei mir immer bis ins Endlose und wird nur mit viel Anstrengung gegen innere Widerstände - wie die Ansprüche bis zur Decke aufgestapelt - zum Abschluss gebracht. Durchhalten, das gehörte wahrlich noch nie meinen Generaltugenden an. Demgegenüber die Omnipotenz des Erfindungsgeistes, während er täglich allerlei Vermeidungsstrategien ersinnt.

6. Februar 2012

Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Laufen

Das Quecksilber bezeugt zweistellige Werte unter dem Gefrierpunkt. Nach zehn Stunden intellektuellen Dauerbetriebs zieht es mich dennoch - die Kälte, die andere gar beklagen, ich genieße sie förmlich - mit doppelter Lage Thermoleggings und XL-Strickschal an die frische Luft. Am alten Mauerstreifen der Bernauer Straße entlang laufend und dann über das Gelände des ehemaligen Nordbahnhofs wölbt sich über mich und den Schauplatz ein Himmel von furioser Luzidität. Gerade so transparent, so lichtern gar, als könne man direkt in das All schauen. In dieser klaren und eisigen Luft, die belebte Natur erstarrt, bin ich ganz unmittelbare Bewegung. Die schnellen Schritte lösen die Gedanken aus ihrer bleiernen Trägheit und versetzen sie in immer lebendigeren Fluss. Schritt für Schritt wuchert Gedanke um Gedanke, Imagination um Imagination. Abstraktiv schließe ich Kulturhistorie und Ontogenese, Barock und Pubertät kurz. Entgegen Nietzsches Einschätzung, der Barockstil entstünde unweigerlich inmitten des "Abblühens jeder grossen Kunst" zeigt sich mir das vitalistische Konzept der Epoche als ein agonales, sprich kompromissloses und strotzendes Aufblühen und nicht als Degeneration überreifen, totgeweihten Lebens. Unterwegs schleife ich mit der begrifflichen Nagelfeile immer beständiger an der Engführung der Phänomene. Überhaupt dieser, mein Hang zum Abseitigen, dem ich mit einer rohen Systematik Herr zu werden versuche, die angestrebte Verdichtung des Denkens, während alle Wärme des Körpers in seine Mitte sich zusammenzieht. Das Concentrare: ein psychophysischer Parallelismus; Leibniz' prästabilierte Harmonie, das eine Spiegelung des anderen. Durch das Laufen kommen die Überlegungen immer leichter über die ungegenständlichen Lippen des Hirns. Und als ich von dort hier hin zurücklaufe, weicht letztes fahles Scheinen einer gradiosen, alles überschattenden Opazität. Zuhause werde ich mir und dem Gefährten gefüllte Blätterteigtaschen mit Oliven, Basilikum und Feta kredenzen, sinniere ich bei bester Winterlaune. Doch zuvor werde ich mit Zettel und Stift noch schnell die reifen Früchte der im Laufen mit Nietzscheanischer Orthodoxie verfertigten Gedanken zu ernten versuchen, in der Hoffnung, bis dahin zumindest noch ein oder zwei Kerne aus dem Inneren ihres halbvergorenen Gehäuses aufgefangen zu haben.

4. Februar 2012

guttenborgen oder: Von der Erfindung neuer Verben

Nie werde ich jene Mitmenschen verstehen, die sich anschicken, pausenlos gegen die momentane Wetterlage zu protestieren. Für mich bietet das Berlinische Sibirien, das täglich im nicht enden wollenden Sonnenschein versinkt, ein Traum von einem Winter! Wer, zum Henker, frage ich mich insgeheim, sehnt sich unter diesen blendenden Voraussetzungen bloß nach minimalen Plusgraden und Fitzelniesel, der in die kleinste Pore kriecht? Nach einem ausgedehnten Spaziergang durch den Prenzl' Berg nach Pankow (und froh, die letzten Wochen keinen Schirm benötigt zu haben), weil das Hirn von philosophischer Lektüre bereits rauchte, die feinen Neuronennetze unter Dauerfeuer fast explodierten, mit Lolli im Mundwinkel, schaffte ich begleitet von frischem Minztee mehr als die halbe ZEIT und fand, um ein besonderes Fundstück reicher, nicht mehr zu meiner eigentlichen Arbeit zurück (Ach, Samstage!).


2. Februar 2012

Datenträgernostalgiker

Es ist Weihnachten 1996. Ich werde, gerade dreizehnjährig und freilich hochgradig pubertierend, von meinem Opa für ein festliches Foto auf die großelterliche Eckcouch dirigiert, zu Mutter, Vater, der Oma, Tante und Onkel, die dort bereits sitzen. Eilig arrangiert und akurat drapiert wird das Motiv, die kleine Familie. Schließlich wird dreimalig der Auslöser des Apparats im Plastikgehäuse betätigt. Ein seitdem nahezu deterministisches Ritual, weihnachtsstrukturierend.
Und, da, wie Christian Stöcker in seinem höchst unterhaltsamen Buch Nerd-Attack!, das die Kaltmamsell ob seines spritzigen Faktenreichtums kürzlich nebenan anpries, konstatiert, dass die Fähigkeit zur "Nostalgie eine der Eigenschaften [ist], die den Menschen vom Tier unterscheidet, weil er ein Bewusstsein seiner selbst und seiner Geschichte besitzt", bietet die Erinnerung an den ratternden Kasten auch meinem Leben einen unermesslichen, oft allzu unterschätzen Halt im Getose des 21. Jahrhunderts. In einem Zeitalter nämlich, das vom beständigen "Verschwinden des Analogen" gekennzeichnet ist, ertönt mit dem knirschend knatternden Mechanismus gleichzeitig der Schwanengesang einer längst überholten Technik. Da meine überstarke Datenträgernostalgie, (insbesondere das Medium Buch betreffend) jedoch meist ohne die monierten "agressiven Züge" auskommt, sondern sich eher mit der Melancholie zu paaren gesellt, frage ich mich jedes Jahr auf's Neue, ob mein armer Opa im Jahre 2012 für die Abzüge erst mühsam in das Auto oder den Bus steigen muss, in die nächste größere Stadt zu gelangen, um die paar geknipsten Weihnachtsbildchen zu entwickeln, weil ja alle Fotogeschäfte in der Kleinstadt bereits seit Jahren geschlossen sind. Der alljährlichen Betätigung des alten Kastens tun jene Unwägbarkeiten jedoch bisher keinen Abbruch.

1. Februar 2012

Ach, Jänner...

Der zweite Teil des Januars bescherte mir einen nahezu kolossalen grippalen Infekt, der mich seit eineinhalb Wochen psychophysisch lahmlegt. Es war der dritte seiner Art infolge weniger Monate und rechnet man den Fahrradunfall auf der Torstraße im Dezember zur Ausfallsbilanz hinzu, so kommt man nicht umhin anzuerkennen, dass ich im letzten halben Jahr mehr krank oder beeinträchtigt war als gesund und vor allen Dingen häufiger out of order als irgendwann sonst in meinem Leben. Und obwohl das allerschönste Winterwetter mit einer klaren, eisigen Sonne zum Laufen in den Park lockt, bleibe ich diesmal, mit Hoffnung auf nachhaltige Besserung standhaft, wo ich die letzten Male doch längst schon wieder in den Laufschuhen gesteckt hätte. Länger als eine Woche keine vernüftige Bewegung, das grenzt schon fast an Höllenqual und führt mir beständig vor Augen wie schnell auch mein Körper - literally- an Form verliert. Nein, kein Sport im Moment - leider! Stattdessen strampele ich nachts im eigenen Schweiß badend unter der Bettdecke und murmele, von zusammenhangslosen Bilderketten angetrieben, wirres Zeug vor mich hin, kämme mir morgens kurz das in der Nacht wellig geschlagene Haar und laufe eine Runde wie paralysisert durch den Volkspark. Einmal trinke ich zu verstopfter Nase auch sechs Vodka, ayurvedischen Tee und zwei Becks und gewinne unverhofft das Kreml-Match, liege danach erst gegen vier Uhr etwas desorientiert im Bett. Zwei Tage darauf nach der Inszenierung des Gastspiels Also sprach Zarathustra im Gorki, meinem heimlichen Wohnzimmer, vergesse ich bei reichlich Rotwein fast meinen Namen, formuliere, von dieser ganzen Nietzsche-Maschinerie subtil angepiekst, unterirdische Sätze mit unkonventionell flektierten Verben und spreche sprachliche Rätsel wie die Delphische Pythia. Die Nacht und der darauffolgende Morgen bescheren mir die altbekannten Ängste um den Gesundheitszustand meines Mentalen, allzu sehr verworren das Ganze oder doch erste Zeichen neurodegenerativer Erkrankung. Am Montag habe ich dann ein erträgliches Maß der Ruhe zurück; Placeboeffekt: es gebe ja im Fall der Fälle schließlich auch noch dignitas. Ansonsten sind diese letzten Wochen randvoll von Max Frisch und Lichtenberg, von Max Prosa, Leonard Cohen, William Fitzsimmons und den Sternen, die ich Jahre nicht gehört, aber stimmlich immer noch auswendig begleiten kann. Ja, endlich ganz gesund wieder werden, das wäre was! Andererseits ist jene Zeitlosigkeit des Denkens und jeder Bewegung nicht ausschließlich beunruhigend (produktiv schafft man eben viel zu wenig), sondern an diesen Tage mit ihren abgezählten lichten Stunden manchmal überaus erfüllend. Überdies sind auf den lange Zeit unterbrochenen Wegen Menschen zu mir zurückgekehrt, die ich sehr lange Zeit sehr schmerzlich vermisst habe, jedoch vorher sehr, sehr lange brüsk weggeschoben habe. 

23. Januar 2012

Only substitutions

Mit dem Vorsatz nur flüchtig in Theresas Blog herüberzulinsen gerate ich angesichts der schönen Arragements von (bilingualem) Text, Bild und Illustration mal wieder in blogosphärentypisches Verweilen. Dabei von nebenan betrachten zu können, welche Pläne die jeweils andere inspirativ leiten. 
Von der vereinnahmenden Ästhetik des Schlussmachens schlagartig getroffen als ich bei den Bildern und erläuternden Texten des Eintrages Bookbinding: my dissertation angekommen bin, fühlt es sich kurz wie ein Stich ins Herz an, bevor ich wieder normal atmen kann - wenn das mit der momentanen Schnupfnase überhaupt möglich ist. Nicht nur befreiend also, sondern auch noch originell und so stilvoll kann das sein, Dinge endlich abzuschließen. Ich hingegen zerpflücke in Gewaltexzessen gerade wieder mein nun neun Ausgaben umfassendes Machwerk, finde allerorts aneinandergereihte Spitzfindigkeiten poststruktuaralistischer Provenienz, Schachtelsätze, die alle Sonderzeichen in sich aufnehmen wollen und derer nicht satt werden, umschweifige, dafür nichtssagende Satzgirladen, Worthülsen, wo man auch hinsieht. Eine einzige Hyperästhetisierung, eine theoretische Spielerei allenfalls, aber weit und breit keine universelle Sinnhaftigkeit, an die ich mich in der Nachfolge von Foucault, Deleuze und Kittler dennoch klammere wie ein flennendes Kind. Und, quelle surprise: eine bedenkenswerte Konsumbilanz im Januar mit etwas mehr als 350€ für Kleidung (bei der Vorgeschichte für mich freilich alarmierende Zahlen), die mein Taschenrechner da ausspuckt. Wie man doch beständig hinter sich zurückfällt. Noch immer also nicht für ungültig erklärt: das Verhältnis, bei dem Unzufriedenheit, Trauer, Wut und Angst streng und unmittelbar mit Konsum korreliert.

22. Januar 2012

Soulmate

...dazu besingt Perry O'Parson, dieser wunderschöne Mann, über den Dächern von Dublin eingängig und in epischen Wendungen das Leben - eine Nacht könnte indes schöner kaum sein.
 

21. Januar 2012

Enthusiasmiert

Mit der innerlichen Aufregung eines Kindes in der Vorweihnachtszeit, zudem auch ein bißchen verwirrt durch allerhand bunte Bilder, surfe ich seit beinahe drei Stunden und über beide Ohren euphorisiert in der Welt von kleiderkreisel.de und kann mein Glück über das, was es hier alles zu sehen, tauschen und zu ganz kleinen Preisen zu kaufen gibt, kaum fassen. Wahrlich, ein Vintage-Himmel, der locker mit Mauerpark-und Simon-Dach-Flohmarkt mithalten kann, diese preislich jedoch meilenweit unterbietet. Für einen violetten Schlauchschal mit Polka Dots und Troddeln habe ich soeben für 2€ den Zuschlag erhalten. Einfach großartig!

17. Januar 2012

Vorboten

Keine, wirklich keine einzige der mir auf der Torstraße entgegen kommenden Frauen meines Alters und ohne Kinderwagen, stelle ich entsetzt fest, hat annähernd so dicke trainierte Beine wie ich. Neben diesen grazilen Elfen, deren kranichhafte Stelzen auf zehn Zentimeter Absatz über das holprige Kopfsteinpflaster nur so dahinschweben, fühle ich mich in meinen flachen Westernstiefeln und einem schnell auf dem Handy errechnetem BMI von 20 (65:1,8²) wie eine weißrussische Kugelstoßerin zwischen Schwanensee probenden Ballerinen des Bolschoi. Ja, die gute alte Fashion Week lässt mich ernsthaft zweifeln, ob es sie hier tatsächlich noch gibt, jene Normalgewichtigen oder vielleicht sogar ein paar Dicke hinter den Fassaden und in den Hinterhöfen von Mitte.

16. Januar 2012

Vom Alkoholgenusse und seinen Folgen

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, wann immer ich in der Vergangenheit zu tief ins Fläschchen geschaut habe, erhielt ich am nächsten Tag oft eine bittere Quittung. Nein, in der Regel konsumiere ich nicht (übermäßig) viel Alkohol. In den eigenen vier Wänden trinken M. und ich nämlich eigentlich nie. Zumeist haben wir nur dann einen guten Roten zuhause, wenn wir Freunde zum gemeinsamen Essen laden. Ansonsten kein Bier, kein Likör, kein Sekt weit und breit.
Mein Alkoholkonsum spielt sich daher fast ausschließlich draußen ab, inzwischen selten in der Woche, meist freitags oder sonnabends in irgendeiner Berliner Bar oder in einem Club. 
Ich weiß daher nicht, ob es am zunehmenden Alter, vielmehr dem allmählichen Abbau der körpereigenen Regenerationsfähigkeit liegt, dass ich die am Vorabend und in der Nacht flüssig zu mir genommenen Genussmittel schlechter vertrage und der schwindelige Organismus dies wesentlich, so scheint es jedenfalls, langsamer abbauen kann - und das obwohl ich zu später Stunde jetzt, in der Hoffnung auf ein mildes Erwachen, immer große Gläser Wasser dazwischen schiebe. Mittlerweile fällt das Aufstehen, zu weit früherer Stunde als noch vor fünf Jahren, im ersten Moment zwar leichter, die Kopfschmerzen und die allgemeine Mattigkeit halten aber meist noch bis zum Mittag des Folgetags an und machen einen weiteren berauschten Abend nahezu unmöglich. Von dem milchigem Blick und der fahlen Gesichtsfarbe ganz zu schweigen. Und überhaupt, während ich mir beim morgendlichen Blick in den Spiegel gänzlich zerfurcht, fleckig, aufgedunsen, unzureichend durchblutet und verlebt entgegenblicke, sitzt meine liebste Freundin C. mit ihrem fast makellosen Porzellanteint ohne den Einsatz von Kosmetika (mit Deckkraft) beim Frühstück neben mir und ich staune jedesmal. In der Regel liegt sie erfahrungsgemäß noch eine Stunde später im Bett als ich. Erstaunlich denke ich mir und irgendwie auch ein bißchen ungerecht, ihre jugendliche Frische mit etwas verlaufener Mascara vom Vorabend, während mir, neben ihr auf dem Beifahrersitz, die Ereignisse der Nacht kaum deutlicher ins Gesicht geschrieben stehen könnten. Ich jedenfalls muss nun mindestens zehn Stunden schlafen bis ich mir den größten Teil meiner Endzwanziger-Jugendlichkeit zurückerkämpft habe.


9. Januar 2012

Über die nahezu universelle Geschmacklosigkeit von Sportbekleidung

Die in mir lodernde Abneigung gegen Winterbekleidung einschlägiger Marken (Jack Wolfskin, The North Face und Vaude) - wie sie gerade in meinem Heimatbezirk in Berlin allerorts getragen wird -  ist all jenen, die mich (lange) kennen, altbekannt. Warum jene Bekleidungssünden derart verabscheuungswürdig sind, darüber hat die folgende Stilkritik unter dem vielversprechenden und zustimmungswürdigen Titel Outdoorkleidung gehört nicht in die Innenstadt im Berliner Tagesspiegel bereits alles gesagt, was ich ebenfalls vorbringen würde:  Dem ist absolut nichts hinzuzufügen!
Seien Sie daher versichert, was neben Outdoorkleidung die rechte Klamotte beim Sport betrifft, so würde ich wirklich nie-, nie-, niemals in pellwurstartige Tights gepresst meine wöchentlichen Läufe absolvieren, ganz egal mit welcher penetranten Begeisterung sportive Freunde und Bekannte ihre Praktikabilität (bequem, pflegeleicht, atmungsaktiv) anpreisen - und das obwohl ich jede Woche in aller Regelmäßigkeit mindestens 3x5km, oft etwas mehr, hinter mich bringe. Selbiges gilt im Übrigen für meine Fahrradfahrten zur Arbeit (einfache Fahrt: ca. 16 km). Diese widerlichen Radlerhosen und dazu abgestimmten Funktionsjacken im Polyester-Neon-Chic, wahrlich eine Beleidigung für jedes halbwegs an ästhetischen Maßstäben orientierte Empfinden. Glauben Sie mir, keine zehn Pferde würden mich indes in jene einteiligen Swim-Suits mit Ringerrücken befördern können, in denen sogar zierliche 1,60m-Damen mit 40 Kilogramm Lebendgewicht wie kleine Seekühe aussehen. Von ihren Schwimmbrillen ganz zu schweigen, zumal die meisten unter ihnen in aller Regel weder richtig kraulen noch beherzt brustschwimmen können, derart zappelig, kurzatmig und affektiert nämlich, als gingen diese jungen Welpeninnen gleich unter. 
Widerlich, ganz und gar abscheulich, die gestalterischen Auswüchse von Sportbekleidung. Außer bei Yoga, Aerobic (in meinen Augen quasi fast Nicht-Sportarten) und Tanz (mit voller Anerkennung!) vielleicht, welche ich selbst nicht betreibe/nie betrieben habe.
Warum, frage ich mich daher immer wieder, ist das Sportgerät zwar nach für mich nachvollziehbaren Prinzipien gefertigt - meine Rackets für Squash und Badminton beim genaueren Hinsehen durch und durch gestaltet, mit (spiel-)spezifischen Eigenschaften ausgestattet in Hinblick auf Geschwindigkeit, Gewicht, Funktion und Führung - und Sportkleidung dagegen in der Regel ästhetisch derart schmachvoll anzusehen: Kleine, teure synthetische Würdelosigkeiten, die sich meist einer reißenden Nachfrage erfreuen.
Meine Totalverweigerung daher: Ich laufe und squashe meist in alten ausgewaschenen Konzertshirts oder Tops aus Baumwolle, die nicht nach der dritten Wäsche schon so sehr nach Schweiß riechen wie die vergleichsweise teure Garderobe von M.: Nike, Asics, Adidas und Co. - alles in Neon und mit Rennstreifen selbstverständlich. Ich schwimme meine schnellen Runden übrigens immer im Bikini und kann keine Geschwindigkeitseinbußen gegenüber den Mitschwimmern feststellen. Ach, so ist das mit den Versprechen der Industrie: Höher, schneller, weiter, aber den Augen darum leider nicht erträglicher.

5. Januar 2012

Halt auf freier Strecke

Ein konfrontativer, liebevoller, großartiger Film. Und erneut die aufflammende Hoffnung, Wolfgang Herrndorf könnte jener Zwangläufigkeit der Krankheit andauernd von der Schippe springen und einen weiteren Jugendroman schreiben.

Vom Gejagtwerden

Ja, ich bin ein halbwegs politischer Mensch. Ich engagiere mich in einer Partei, verfolge die aktuellen Diskurse, Debatten, Sachargumentationen (wenn vorhanden) und kann eine Handvoll Regionalpolitiker aufzählen. Ich kenne die Senatoren Berlins, viele der gewählten Abgeordneten, ihre Zuständigkeiten und die Ausschüsse, Gremien, Verwaltungen, für und in denen sie tätig sind. Ich besorge mir/konsumiere Informationen eher auf klassisch-konservativen Weg (habe keine Anarcho-Antikapitalista-Transgender-Queer-Feeds abonniert). Ich lese den Politikteil der Süddeutschen, des Tagesspiegels, der taz (manchmal mit Ärgernis über soviel Mit-dem-Fuß-Aufgestampfe und zu wenig Sachlichkeit) und der ZEIT oft zuerst, außer ein interessanterer Artikel aus dem Ressort Wissen oder Feuilleton macht diesem Automatismus einen schönen, geistreichen Strich durch die Rechnung. Ich sehe sehr wenig fern und wenn einmal, dann am liebsten 3Sat wegen der schönen Bergsteigerdokumentationen, manchmal arte und ARD (für den sonntäglichen Tatort). Doch die inzwischen auch dort eingestreuten, mir täglich zugemuteten Diskussionen um Kredit und Urlaub, Diekmann-Bedrohung und Sühnertum werden allmählich unzumutbar. Und obwohl ich nie CDU gewählt habe, mein ganzes Leben nie daran denken würde, dies zu tun, Joachim Gauk im Hinblick auf seine Vergangenheit als Bürgerrechtler in der DDR und auch was seine Geisteshaltung angeht, für mich der weitaus geeignetere Kandidat für das Bundespräsidialamt gewesen wäre, finde ich die momentane Hetz- und Hasskampagne von Medien und Politik - qua Selbstverständnis zu selbsternannten Kontrolleuren des politischen Prozesses auserkoren, freilich - einfach nur widerlich. Verabscheuenswürdig jene Destruktion, Entwürdigung und Verachtung von Amt und Person und für mich ganz und gar unangemessen, hier beständig die Kategorien von Privatheit und Öffentlichkeit durcheinanderzuwirbeln. Wundert sich denn im Ernst keiner über diese maßlose Überspitzung der Vorfälle oder halte nur ich das zu günstigen Konditionen kreditfinazierte Eigenheim für eine Lapalie wie sie in den entsprechenden gesellschaftlichen Kreisen gang und gäbe, also als geschäftliches Muster fest etabliert ist. Warum fühlt sich mein Gerechtigkeitsbewusstsein angesichts der erhobenen Vorwürfe gegen Wulff nicht um einen Hauch erschüttert? Warum erwarte ich weder Rücktritt noch sehe ich Anlass zu Sühne, Selbstgeißelung oder gar publikumswirksamer Kreuzigung?
Ich kann mir nicht helfen, all das Vorgebrachte, die Vorwürfe, die Hetze, die Anklagen, das Strickmuster der Kampagne ruft Erinnerungen an meinen Deutschunterricht in der zehnten Klasse wach. Damals lasen wir gerade Die verlorene Ehre der Katharina Blum von Böll. Ein Buch, das mich derart betroffen zurückließ, dass ich meinen gesamten Hass, die gefühlte Verzweiflung, ausgelöst durch die in der Erzählung von Presse und Öffentlichkeit an den Tag gelegte Menschenverachtung, nur durch bittere Kraftanstrengung herunter schlucken konnte. Der Film gab mir in dieser Hinsicht schließlich den Rest.
Und dieser umstrittene Anruf bei Kai Diekmann, ich bitte Sie! Hätte dieser die Liste meiner 67 Gläubiger, die Männer, mit denen ich schlief, eine Liste meiner Freunde, bei denen ich je übernachten habe, ohne mich finanziell dafür erkenntlich zu zeigen, veröffentlichen wollen, hätte ich es nicht dabei bewenden lassen, ihn auf seinem Band nicht nur infamer Lügen zu zeihen, vielmehr hätte ich  ihm im Springer-Haus vor sein Büro gekackt. Einen richtig stinkenden Dreckshaufen hätte ich dagelassen. Aber das Scheißen ähm die  Defäkation in der Öffentlichkeit, das steht einem bald scheidenden (?) Bundespräsidenten freilich nicht zu.

2. Januar 2012

Das Jahrestagsgeschenk


Da mein Geschmack schon immer etwas eigentümlich war, stand kaum zu erwarten, dass M. anlässlich der fünf hinter uns gebrachten Jahre plante, mich mit einem Standardgeschenk (Parfüm, Schmuck, Dessous oder gar Blumen) abzuspeisen. Und obwohl er, mein Schatz, wie das Kinderlied sagt, kein Jägermeister ist, nenne ich von nun an ein restauriertes Geweih, freilich bei Ebay ersteigert, mein eigen: Die perfekte Jägerinnenklause.

1. Januar 2012

Horseshoe

Das neue Jahr schenkt mir eine prächtige Brandwunde unterm Augenlid auf dem linken Wangenknochen. Sie hat die exakte Form eines Hufeisens. Tja, Glück und Unglück liegen nach landläufiger Überzeugung nah beieinander und es war ja schließlich nicht das Auge wie die Freunde zu beschwichtigen versuchen. Um halb sechs, vom Alkohol ganz und gar berauscht, spinne ich Legenden um schlagende Verbindungen und linksautonome Schwesterschaften, deren Mitglied ich bin und die sich statt Schmiss Pyrowunden ins Gesicht ätzen. Dann gehen die Lichter endgültig aus. Der graue Morgen empfängt uns mit Brandenburger Landregen und dennoch zaubert das Neujahrsmahl im Tageslicht beschaut das ein oder andere Lächeln in die von der Nacht gezeichneten Gesichter. Auf der Fahrt nach Hause erinnere ich mich daran, dass ich früher erst dann, wenn der Februar eines neuen Jahres begonnen hatte, fähig war, die richtige Jahreszahl auf meine Schularbeitsblätter zu schreiben. Zeiten waren das...